Sexualität & Psychische Gesundheit
Sexualität ist ein vielschichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Sie umfasst körperliche Bedürfnisse, emotionale Nähe, Beziehungsdynamiken, individuelle Wünsche sowie sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität. Sie ist nicht statisch, sondern entwickelt sich im Laufe des Lebens weiter. Sexualität kann Quelle von Lust, Verbindung und Lebensfreude sein, aber auch mit Unsicherheiten, Scham oder psychischen Belastungen einhergehen.
In unserer Praxis schaffen wir einen geschützten Raum, um über sexuelle Themen offen und wertfrei zu sprechen – unabhängig von Geschlecht, Alter, Orientierung oder Beziehungsform.

Mögliche psychische Belastungen im Zusammenhang mit Sexualität:
Sexuelle Schwierigkeiten sind häufig und sagen nichts über den „Wert“ oder die „Normalität“ eines Menschen aus. Dennoch können sie erheblich belasten – individuell oder in der Partnerschaft. Häufige Themen in der Psychotherapie sind:
Sexuelle Funktionsstörungen:
- Erektionsstörungen
- Orgasmusstörungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie, Vaginismus)
- Mangel oder Verlust sexuellen Verlangens (Libidoverlust)
Psychische Belastungen im Zusammenhang mit Sexualität:
- Scham, Schuldgefühle oder negative Körperwahrnehmung
- Angst vor Nähe oder Intimität
- Überforderung durch Leistungsdruck oder gesellschaftliche Erwartungen
- Unzufriedenheit mit der sexuellen Beziehung
Erlebte sexuelle Gewalt oder Grenzverletzungen:
- Traumafolgen (z. B. Ängste, Flashbacks, emotionale Taubheit)
- Schwierigkeiten, sich selbst oder anderen zu vertrauen
- Probleme in Beziehungen oder bei sexueller Annäherung
Fragen zu sexueller Orientierung oder Identität:
- Unsicherheiten im Coming-out-Prozess
- Diskriminierungserfahrungen
- Konflikte mit dem sozialen Umfeld oder kulturellen/religiösen Normen
Einflüsse von Alter, Krankheit oder Lebensumständen auf die Sexualität:
- Sexualität im Alter
- Sexualität nach Schwangerschaft, Geburt oder in den Wechseljahren
- Sexualität bei chronischen Erkrankungen oder nach Operationen
Psychotherapeutische Unterstützung
Sexualität ist ein intimer Bereich, viele Menschen zögern, Probleme offen anzusprechen. In der Therapie gehen wir achtsam, respektvoll und ohne Wertung mit Ihren Themen um. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ – wichtig ist, was Sie persönlich als belastend empfinden.
Wir unterstützen Sie dabei:
- eigene Wünsche, Grenzen und Bedürfnisse zu erkennen
- den Umgang mit sexuellen Störungen oder Problemen zu verbessern
- Schamgefühle oder negative Denkmuster zu bearbeiten
- traumatische Erlebnisse behutsam aufzuarbeiten
- Beziehungen zu stärken und Kommunikation über Sexualität zu fördern
- Ihre sexuelle Identität zu verstehen und anzunehmen – unabhängig von gesellschaftlichen Normen
Die Therapie kann sowohl als Einzel- als auch als Paartherapie stattfinden – je nach Thema und Wunsch.
Sexualität ist ein wesentlicher Teil des Menschseins. Sie verdient Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und einen offenen, wertschätzenden Umgang. Wenn Sie Fragen haben oder Unterstützung wünschen, stehen wir Ihnen gerne zur Seite – vertraulich, professionell und mit Respekt für Ihre individuelle Geschichte.
Hilfe und Tipps für Betroffene und deren Angehörige:
Betroffene:
- Sprechen Sie über Ihre Sorgen – Schweigen verstärkt oft das Gefühl von „Anderssein“ oder „Versagen“.
- Vergleichen Sie sich nicht mit Idealbildern aus Medien oder Pornografie – reale Sexualität ist vielfältig.
- Suchen Sie fachliche Unterstützung, wenn ein Problem über längere Zeit belastet oder Beziehungen beeinträchtigt.
- Lernen Sie, Ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen – auch wenn sie nicht dem Mainstream entsprechen.
- Seien Sie geduldig mit sich selbst – Veränderungen brauchen Zeit und dürfen in Ihrem Tempo stattfinden.

Angehörige & Partner*innen:
- Schaffen Sie ein Klima der Offenheit und Sicherheit. Sexualität kann nur in einem vertrauensvollen Rahmen gedeihen.
- Urteilen Sie nicht, sondern hören Sie zu. Viele Menschen empfinden Scham oder Unsicherheit, wenn sie über sexuelle Themen sprechen.
- Respektieren Sie Grenzen – auch unausgesprochene. Sexualität sollte niemals unter Druck oder aus Pflichtgefühl entstehen.
- Suchen Sie gemeinsam Unterstützung, wenn ein Thema dauerhaft belastet – Paar- oder Sexualtherapie kann helfen, neue Wege zu finden.